26.08.2020

18 Jahre im Dienst der Fußballtalente

Autor / Quelle: Nordsee-Zeitung / Lars Brockbalz

Gerald Geber hört als Trainer beim DFB-Stützpunkt in Köhlen auf - Seinen Nachfolger Joshua von Glahn hat er früher trainiert

Gerald Gerber hat einen späteren Nationalspieler trainiert, hoffnungsvolle Talente, die in der Versenkung verschwanden, und sogar seinen eigenen Nachfolger – in seinen 18 Jahren als Trainer am DFB-Stützpunkt hat Gerber eine lange Reihe an jungen Fußballern unter seinen Fittichen gehabt. Nun hört der 62-Jährige als Stützpunkttrainer in Köhlen auf.

Als der Deutsche Fußball-Bund 2002 ein neues Talentförderprogramm auflegte und Stützpunkte in allen Städten und Kreisen aufbaute, stieg Gerber beim DFB-Stützpunkt im Kreis Cuxhaven ein. Am Montag leitete er in Köhlen sein letztes Training. „Ich bin jetzt 62 und noch ganz gut in Schuss. Ich will nicht, dass man mich irgendwann vom Platz tragen muss, sondern dass man mich gut in Erinnerung behält“, sagt Gerber. Seinen Job in Köhlen übernimmt A-Lizenz-Inhaber Joshua von Glahn, der gleichzeitig Trainer der Oberliga-Frauen des FC Geestland ist. Zusammen mit Thorsten Holz und Timo Szybora bildet der 31 Jahre alte von Glahn das Trainer-Trio in Köhlen. Es ist auch ein Generationswechsel. „Joshua habe ich im Stützpunkt trainiert, als er ein Kind war. Da schließt sich der Kreis“, erzählt Gerber.

Dass Gerber als Auswahltrainer aufhört, bedeutet aber kein Ende der Trainerkarriere. Schließlich hat er immer auch einen Verein trainiert. Lange Jahre den TSV Lunestedt, zuletzt den Bezirksliga-Aufsteiger TSV Stotel. „In Stotel mache ich weiter. Ganz aufhören mit Fußball geht nicht, das wäre nicht gut für mich.“ Schließlich habe er seit mehr als drei Jahrzehnten an der Seitenlinie gestanden. „Meine Frau und meine Kinder sind das gewohnt, die Kinder sind auf dem Fußballplatz groß geworden“, erzählt der Rentner, der bis vor vier Jahren in der Verwaltung der Post in Bremen gearbeitet hat.

„Über deine Qualität als Trainer mit deiner Erfahrung brauchen wir nicht lange zu reden“, sagte Trainerkollege Thorsten Holz bei einer kleinen Abschiedsfeier an Gerber gerichtet. „Darüber hinaus zeichnet dich deine Menschlichkeit aus. Du hast immer einen sehr guten Draht zu den Kindern gehabt.“ Das sei für ihn immer ein Antrieb gewesen, bestätigt Gerber. „Wenn man die Kinder sieht, mit welcher Begeisterung sie dabei sind, ist das eine große Freude“, sagt der 62-Jährige. Das Training am Stützpunkt habe immer Spaß gemacht. „Es ist ein angenehmes Arbeiten. Die Kinder, die hier in Köhlen sind, wollen alle. Sie sind wissbegierig und haben Spaß und Begeisterung. Und sie sind pflegeleicht. Dorfkinder halt.“

Dabei habe sich die Arbeit im Laufe der 18 Jahre deutlich verändert. Nicht was das Können der jungen Kicker angeht. Sondern was die Ziele des Stützpunkttrainings angeht. „Der DFB will heute die Kinder in der Spitze stärker fördern. Als ich angefangen habe, ging es noch mehr in die Breite. Da hatten wir 60 Kinder am Stützpunkt. Jetzt sind es nur noch die besten acht bis zehn, die noch intensiver gefördert werden sollen. Ich fand es eigentlich damals besser, als es mehr in die Breite ging“, erzählt Gerber. Er hat sich immer bemüht, den späteren Werdegang seiner Spieler zu verfolgen. „Was mich immer ärgert, ist, wenn ein Talent mit 15, 16 in der Versenkung verschwindet. Dann denke ich: Junge, was ist aus dir geworden.“ Vorherzusagen, wer eine große Karriere macht, sei aber schwer. „Henry Sung hatte ich zum Beispiel eine große Karriere zugetraut oder Sören Czyborra. Die sind auch zu Werder Bremen gekommen, aber haben es nicht geschafft. Sung spielt jetzt in Harsefeld, Czyborra in Lamstedt. Aber es gibt auch das andere Beispiel: André Hahn hätte ich das gar nicht zugetraut, aber der ist Profi geworden.“ Der heutige Augsburger Hahn spielte unter anderem beim Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach und absolvierte sogar ein Länderspiel. „Der wollte es einfach mehr. Du musst ja auch einen langen Atemzug haben.“

Den hat auch Gerber in seinen 18 Jahren als Stützpunkttrainer bewiesen. Nun tritt er kürzer, zumindest ein wenig. Die gewonnene Zeit will er nutzen, um noch mehr Fahrrad zu fahren – sein zweites großes Hobby. Aber auch Hobby Nummer eins will er sich weiter widmen, nicht nur als Trainer in Stotel. „Ich spiele auch noch gerne Fußball. Jetzt habe ich wieder Zeit, montags in der Ü40 des FC Lune mitzuspielen.“

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Seite zuletzt aktualisiert am: 08.09.2020

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